Umstellung der Kfz-Steuer zu Lasten von Spritfresern
26 August, 2007
Die Regierung scheue zur?ck vor einem von der Bev?lkerungsmehrheit gew?nschten Tempolimit, vor einer wirksamen Umstellung der Kfz-Steuer zu Lasten gro?er Spritfresser, vor einer Maut f?r Nutzfahrzeuge ab 7,5 Tonnen.
Bundesregierung soll Berechnungen ?ber Wirksamkeit ihres Klimapakets offen legen. Deutsche Umwelthilfe bezweifelt die von der Regierung behauptete Reduktionswirkung des Klimaprogramms - Bundesregierung soll Annahmen ?ber CO2-Minderungsbeitr?ge ihrer Klimaschutz-Eckpunkte transparent machen - Im Verkehrsbereich "sitzen die Lobbyisten offenbar mit in der Regierung" - International stehe die klimapolitische Glaubw?rdigkeit Deutschlands auf dem Spiel.
"Wir befinden uns am Anfang, nicht am Ende der Diskussion ?ber die Klimawende in Deutschland. Erst die in den kommenden Wochen anstehende gesetzliche Umsetzung der Eckpunkte des ?Integrierten Energie- und Klimaprogramms? wird dar?ber entscheiden, wie tief die von der Regierung bereits eingestandene Kluft sein wird, die sich zwischen dem Ziel einer Treibhausgasminderung um 40 Prozent bis 2020 und der realen CO2-Entwicklung ?ffnet", erkl?rten die beiden Bundesgesch?ftsf?hrer der Deutschen Umwelthilfe e. V. (DUH) Rainer Baake und J?rgen Resch nach der Verabschiedung des gegen?ber dem Wochenbeginn noch einmal aufgeweichten Klima- und Energieprogramms der Bundesregierung auf Schloss Meseberg. Ebenso wichtig wie die Ausgestaltung des Klimapakets und seine Nachbesserung im parlamentarischen Verfahren sei nun eine dezidierte Haltung der Bundesregierung auf EU-Ebene bei den dort verhandelten Weichenstellen ?ber die Modalit?ten des Emissionshandels nach 2012 und ?ber die Kraftstoff-H?chstverbr?uche f?r Pkw.
"Wir haben nach wie vor massive Zweifel, ob das Klimapaket die Wirkung entfalten kann, die ihm die Regierung zuschreiben m?chte. Der Lackmustest steht noch aus", sagte Baake. Die DUH fordere die Regierung deshalb eindringlich auf, die Berechnungen offen zu legen, wonach mit dem Klimapaket eine Emissionsminderung um 35 bis 36 Prozent erreicht werde. Umweltminister Gabriel hatte im Vorfeld der Regierungsklausur erkl?rt, das Eckpunkteprogramm und bereits in der Vergangenheit eingeleitete Ma?nahmen zur Emissionsminderung w?rden Deutschland bis auf wenige Prozentpunkte an das 40-Prozent-Ziel heranf?hren. Er hatte jedoch nicht gesagt, welche Anteile den geplanten Ma?nahmen an dieser optimistischen Sch?tzung im Einzelnen zuzuordnen seien.
Wer wie die Bundesregierung "ein in wesentlichen Teilen unkonkretes und mutloses Klimaschutzprogramm vorlegt und sich gleichzeitig ?ffentlich mit beeindruckenden Zahlen ?ber seine Wirksamkeit br?stet, muss diesen Widerspruch durch Transparenz seiner Berechnungsgrundlagen kl?ren." Andernfalls werde die Regierung sehr schnell nicht nur "ein Umsetzungsproblem, sondern auch ein Glaubw?rdigkeitsproblem haben - im Inland, aber auch bei den anstehenden internationalen Verhandlungen ?ber ein Kioto-Nachfolgeabkommen", erkl?rte Resch. Die DUH wirft der Regierung vor - ungeachtet unzweifelhafter Fortschritte im Detail - regelm??ig da zur?ckgewichen zu sein, wo starke Industrielobbys wirksamen Klimaschutz verhindern wollen. Betroffen seien insbesondere die Rahmensetzung f?r die k?nftige Stromversorgung, der Verkehrssektor und die energetische Geb?udesanierung.
"Der praktisch vollst?ndige Verzicht auf wirksame Minderungsstrategien im Verkehrsbereich kommt einem Offenbarungseid der Regierung gleich. Er wird ihr noch schmerzhaft auf die F??e fallen", monierte Resch. Das bedingungslose Festhalten am weltweit einmaligen Dienstwagenprivileg, werde die "fatale Fixierung der deutschen Autohersteller auf Spritfresser und schwere Protzkarossen verst?rken und mittelfristig ihre Exportf?higkeit gef?hrden". Die seit vielen Jahren geforderte Besserstellung der Bahn, etwa durch eine niedrigere Mehrwertsteuer fehle, in dem Programm ebenso wie konkrete Ma?nahmen gegen die Privilegierung des dramatisch wachsenden Flugverkehrs, etwa durch den Einsatz der Regierung f?r eine Kerosinsteuer auf EU-Ebene oder eine verbindliche Ticketabgabe. "Der Eindruck dr?ngt sich auf, dass mit den Ministern Tiefensee und Glos die Autobauer selbst im Kabinett sitzen", sagte Resch.
Bei der energetischen Geb?udesanierung st?nden Fortschritte im Neubaubereich weiteren Halbherzigkeiten im Altbaubestand gegen?ber, der f?r die Klima-Gesamtbilanz in diesem Sektor jedoch entscheidend sei. Insbesondere m?sse die Nutzung extrem klimasch?dlicher und teurer Nachtspeicherheizungen durch eine Kombination aus einem Verbot neuer Ger?te und einer wirksamen und z?gigen F?rderung des Austauschs von Altanlagen rasch beendet werden. Bei der Geb?udesanierung sei es grunds?tzlich richtig, ambitionierte Standards zu setzen, den Hausbesitzern aber die Entscheidung ?ber die zu ihrer Einhaltung gew?hlte Technik sowohl bei der Effizienzsteigerung (W?rmed?mmung, Fernw?rmeanschluss, Heizungsanlage) als auch beim Einsatz erneuerbarer Energien (Solarthermie, Erdw?rme, Photovoltaik, Biomasse) zu ?berlassen. Jedoch d?rften Effizienzsteigerung und erneuerbare Energien nicht gegeneinander ausgespielt werden wie es die verabschiedete Regelung nahe lege. Schon heute sei klar, dass beides gebraucht werde - mehr Effizienz und mehr erneuerbare Energien im W?rmebereich. Dies sei umso wichtiger, als heutige Sanierungsentscheidungen im Geb?udesektor in aller Regel ?ber das Jahr 2020 hinaus wirksam seien.