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Autobauer kämpfen für ein Verschmutzungsprivileg von Benzinmoto

19 November, 2011

BMW, Daimler und Volkswagen wollen nach Informationen der Deutschen Umwelthilfe im Verbund mit weiteren Autobauern zehn mal schlechtere Partikelgrenzwerte für Benzin gegenüber Dieselmotoren durchsetzen -


Umweltschutzorganisation kritisiert: Autobauer stellen Profitgier über Schutz von Mensch und Umwelt - DUH droht Autoindustrie mit Kampagne gegen ungefilterte Pkws mit Direkteinspritzer-Benzinmotoren

Am kommenden Montag, den 21. November 2011 entscheidet der Technische Ausschuss für Fahrzeuge (Technical Committee Motor Vehicles, TCMV) der EU-Kommission über Grenzwerte für die Partikelanzahl bei neuen Benzin-Motoren mit Direkteinspritzung. Im Vorfeld der Sitzung warf die Deutsche Umwelthilfe e.V. (DUH) den europäischen Automobilherstellern vor, sich bei Otto-Motoren für eine Aufweichung der von der EU-Kommission vorgeschlagenen Grenzwerte einzusetzen. Mit einem massiven Lobbydruck seitens der Automobilindustrie solle die erlaubte Partikelzahl um das Zehnfache verschlechtert werden und sechs Jahre später in Kraft treten gegenüber dem bereits seit dem 1. September 2011 geltenden Grenzwert für Dieselfahrzeuge. Den Versuch der Autoindustrie, den Einsatz erprobter Abgas-Reinigungstechnologien zu verhindern, kritisierte die Umweltschutzorganisation scharf.

"Volkswagen, Daimler und BMW überbieten sich gegenseitig mit so genannten grünen Konzeptfahrzeugen und vom Steuerzahler finanzierten Flotten sauberer Elektroautos. Für ihre Serienfahrzeuge gilt eine andere Maxime - hier kämpfen sie für ein Recht auf Luftverschmutzung für ihre neuen Direkteinspritzer-Ottomotoren", sagt Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der DUH. "Falls sich die Automobil-Lobby tatsächlich gegen die EU Kommission und das Parlament durchsetzen sollte, wird die Deutsche Umwelthilfe eine Aufklärungskampagne starten, um die Autokäufer vom Kauf der Feinstaubschleudern abzuhalten."

Der hohe Ausstoß ultrafeiner Partikel bei Benzinfahrzeugen ist eine direkte Konsequenz der Direkteinspritzung. Zwar verursacht diese Technologie einen geringeren Kraftstoffverbrauch und damit auch weniger CO2-Emissionen. Sie hat jedoch auch eine dem Dieselmotor ähnliche Verbrennung der ultrafeinen eingespritzten Kraftstoff-Kügelchen mit einer großen Zahl besonders kleiner und damit gesundheitsgefährdender Verbrennungspartikel zur Folge. "Die unsichtbaren Teilchen gelangen über die Lungenbläschen ins Blut, wo sie nachweislich zu Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems führen", sagt Dorothee Saar, Leiterin Verkehr und Luftreinhaltung der Deutschen Umwelthilfe. "Abhilfe schaffen können zum Beispiel so genannte geschlossene Partikelfilter, wie sie bei Dieselfahrzeugen schon seit einigen Jahren Standard sind."

Die EU Kommission hat im Sommer 2011 die Festlegung analoger Grenzwerte für die Partikelanzahl bei Benzin-Fahrzeugen vorgeschlagen und eine dreijährige Übergangszeit ab Ende 2014 akzeptiert. Die DUH wertet dieses Entgegenkommen der EU-Kommission als schweren Fehler. Das zeige die neue Forderung der Automobilhersteller, die inzwischen für sechs weitere Jahre ohne Regelung kämpfen. Auch setzten sie sich für Grenzwerte ab 2017 ein, welche die heutigen Vorgaben für Dieselmotoren um das zehnfache überschreiten.

"Die Fahrzeughersteller glauben offenbar, dass es ausreicht, ehemalige Spitzenpolitiker als Ökoberater anzustellen und Nachhaltigkeitsberichte auf Umweltschutzpapier zu drucken", so Jürgen Resch. "Wenn man bei Serienfahrzeugen aber nicht die verfügbare Technik zur Reinigung der Abgase vor ultragiftigen Rußpartikeln einsetzt, verspielen insbesondere BMW, Daimler und Volkswagen jegliche Glaubwürdigkeit."

Seit Sommer 2011 hatte die Deutsche Umwelthilfe wiederholt auf die hohen Gesundheitsrisiken von Fahrzeugen ohne Partikelfilter hingewiesen. Die Hersteller widersetzen sich entsprechenden Grenzwerten jedoch nach wie vor und begründen die Verzögerung des Filtereinbaus mit dadurch steigenden Kosten. Der Internationale Verkehrsexperte Axel Friedrich hält das für verantwortungslos und unlogisch: "Die Technologie zur Minderung der Emissionen ist längst verfügbar und verursacht nach Angaben von Experten und Herstellern nur zwischen 40 und 100 Euro Mehrkosten pro Fahrzeug. Die Erfahrungen zeigen, dass die Kosten mit der Einführung weiter sinken.

Die DUH fordert die Automobilindustrie auf, ihre für Gesundheit und Umwelt schädliche Verweigerungshaltung endlich aufzugeben. Stattdessen sollte sie bereits heute die vorhandenen technischen Möglichkeiten nutzen, um die massiven Rußemissionen bei Direkteinspritzer-Benzinmotoren herauszufiltern. www.duh.de

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