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Der ?lpreis f?llt, doch Benzin wird teurer

06 Januar, 2007

Es ist schon merkw?rdig: Da sinkt der ?lpreis erstmals seit 18 Monaten wieder unter 55 Dollar je Barrel. Doch an den Tankstellen merken die Autofahrer nichts davon - im Gegenteil.
Autofahrer verstehen dieser Tage die Welt nicht mehr: Beinahe t?glich erfahren sie in den Medien von fallenden ?lpreisen, doch an der Zapfs?ulen machen sie eine ganz andere Erfahrung. Statt im Gleichklang mit den Roh?lnotierungen nachzugeben, klettern die Spritpreise.


Der Preis f?r das Schwarze Gold rutschte zu Wochenschluss auf den tiefsten Stand seit 18 Monaten. ?l der Nordseesorte Brent kostete am Freitagnachmittag nur noch knapp 54 Dollar pro Fass (159 Liter). Innerhalb von drei Handelstagen hat sich der fossile Energietr?ger damit um ann?hernd zehn Prozent verbilligt. "Grund f?r diesen Preisverfall ist das ungew?hnlich warme Wetter auf der n?rdlichen Erdhalbkugel", erkl?rt Michael Lewis, Rohstoff-Experte bei der Deutschen Bank in London. Zehn Prozent Heiztage weniger liefen auf einem 21-prozentigen R?ckgang der Energienotierungen hinaus.


Verglichen mit den Rekordpreisen von August 2006 bei fast 80 Dollar je Barrel betr?gt der Preisrutsch bereits jetzt gut 30 Prozent. Von derlei R?ckg?ngen k?nnen Autofahrer nur tr?umen: Super-Benzin (die hierzulande am h?ufigsten getankte Spritsorte) kostet heute im Schnitt 1,28 Euro, das sind gerade einmal acht Cent oder sechs Prozent weniger als im Sp?tsommer. Diesel - hier betr?gt der Durchschnittspreis momentan 1,13 Euro - ist sogar nur vier Cent oder 3,5 Prozent g?nstiger zu bekommen als zu Zeiten der ?lpreisexplosion.

Wenn sich Sprit nicht im gleichen Ma?e verbilligt hat, liegt das daran, dass der Ausgangsstoff nur einen kleinen Teil der Kosten an der Tankstelle ausmacht. Und der Prozentsatz wird sogar immer geringer. Roh?l macht inzwischen nicht einmal mehr ein Viertel der Gesamtbelastung aus. Von den knapp 1,13 Euro, die ein Diesel-Fahrer zurzeit durchschnittlich pro Liter berappen muss, entfallen gerade einmal 27,6 Euro-Cent auf Petroleum. Bei Benzin und Super sieht es genauso aus.

Da aber kein Auto der Welt mit Roh?l f?hrt, muss der Ausgangsstoff erst in Raffinerien veredelt werden. Der f?r diese Veredelung anfallende Preis - auch "Crack Spread" genannt - liegt aktuell bei sieben Cent und ist seit Oktober im Hauptproduktionsland USA um ein knappes Drittel nach oben geschnellt. Diese Verteuerung der Herstellung ist in erster Linie von der Auslastungsquote der Raffinerien abh?ngig. Ein Teil der ?lpreisverbilligung ist dadurch aufgezehrt worden.

Noch st?rker ins Gewicht fallen allerdings die Erh?hung der Mehrwertsteuer auf 19 Prozent sowie das ebenfalls zum 1. Januar 2007 in Kraft getretene Biokraftstoffquotengesetz. Letzteres schreibt vor, dass die deutschen Mineral?lkonzerne beim an der Zapfs?ule verkauften Diesel f?nf Prozent Biodiesel beimischen m?ssen und bei Otto-Kraftstoffen (Benzin, Super) zwei Prozent. Da diese aus Pflanzen gewonnenen nachhaltigen Kraftstoffe deutlich teurer sind als Kraftstoffe auf Mineral?lbasis bedeutet dies einen Preisaufschlag von durchschnittlich weiteren ein bis zwei Cent pro Liter.

Doch der gr??te Batzen ist auf die Umsatzsteueranhebung zur?ckzuf?hren: Beim Diesel tr?gt die Erh?hung rund drei Cent zur Verteuerung bei. Anders ausgedr?ckt: Allein um diese staatlich verursachten Preisaufschl?ge auszugleichen, h?tte der ?lpreis seit Jahresanfang um 20 Prozent fallen m?ssen. Zu guter Letzt haben die Konzerne die Gelegenheit genutzt, ihre Marge leicht auszuweiten.
Indes rechnen Markbeobachter damit, dass die Notierungen des Energietr?gers wegen der milden Witterung weiter nachgeben k?nnten. In der vergangenen Woche habe gleich vier gro?e Banken ihre Preisprognosen nach unten genommen. Jedoch sind die meisten Experten davon ?berzeugt, dass diese Schw?che des Schwarzen Goldes vor?bergehend ist. Die meisten Profis sehen die Notierungen trotz Anpassung nach unten im Jahresschnitt bei 60 bis 70 Dollar je Barrel. Manchen rechnen sogar damit, dass der ?lpreis schon bald wieder auf Rekordmarken zusteuern wird. "Aktuell achten die Marktteilnehmer nur auf entlastenden Faktoren. Es ist jedoch nur eine Frage der Zeit, bis die entt?uschende F?rderung wieder in den Blick r?cken wird", sagt Sandra Ebner von Deka Investment. Die Rohstoff-Expertin will nicht ausschlie?en, dass die Notierungen f?r das Schwarze Gold in diesem Sommer auf 80 Dollar hochschnellen werden. Deutschbanker Lewis gibt zu bedenken, dass die Organisation Erd?l Exportierender L?nder einem weiteren ?lpreisverfall nicht tatenlos zusehen wird. Daher k?nnte die Zeit sinkender Notierungen schon bald der Vergangenheit angeh?ren.

F?r die Autofahrer bedeutet das: Sp?rbar sinkende Preise aufgrund niedrigerer Rohstoffkosten sind nicht zu erwarten. Der Liter Super unter einem Euro geh?rt der Vergangenheit an. Ein Trost bleibt: Steigen die ?lnotierungen wieder, gehen die Sprit-Preise nicht im gleichem Ma? nach oben.
Die Welt

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