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Verschrottungsprämie - aktuelle Situation und Auswirkungen?

20 Februar, 2009

Viel diskutiert und viel gefragt - die Verschrottungsprämie. Die Umweltprämie löste wahre Wunder aus.


Seit der Freigabe sind durchschnittlich etwa 2.500 Anträge täglich beim zuständigen Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle eingegangen. Mit zusätzlichen Rabatten beim Neuwagenkauf haben die Automobilhersteller eine wahre Werbeflut ausgelöst und bei Opel führt die Abwrackprämie zur Produktion von Kleinfahrzeugen und damit ab März zum Abbau von Kurzarbeit.

Die Frage bleibt: Umweltprämie nur Auslöser von Hoffnungen und wildem Aktionismus oder Anstoß für das Aufleben des Binnenhandels?

Wird das Wort "Abwrackprämie" das nächste Wort des Jahres? Dies scheint nicht ganz unwahrscheinlich, betrachtet man die Welle von Aktionismus, welche durch die mit dem Konjunkturpaket 2 beschlossen Unweltprämie für die Verschrottung von mindestens 9 Jahre alten Autos beim Kauf von Neufahrzeugen ausgelöst wurde.

Prämientopf für Altfahrzeugverschrottung begrenzt - keine Aufstockung

Als Teil des zweiten Konjunkturpaketes stellt die Bundesregierung 1,5 Milliarden Euro für die Verschrottungsprämie zur Verfügung. Sie wird in Höhe von 2.500 € an Käufer von Neu- und Jahreswagen gezahlt, die zuvor einen mindestens neun Jahre alten Gebrauchtwagen hatten und diesen verschrotten lassen. Das Geld reicht für rund 600.000 Altfahrzeuge und soll - wie die Bundesregierung ausdrücklich beteuert - nicht aufgestockt werden.
Seit 27.01.2009 können die auf einem speziellen Formular gestellten Anträge beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) eingereicht werden.

Interesse groß - Internetseite des BAFA meist besuchteste deutsche Webadresse

Das Interesse der Bürger an der Unweltprämie scheint immens zu sein, zumindest informieren sich wohl sehr viele über die neue Umweltprämie. So ist die Internetseite der BAFA, auf der die offiziellen Informationen zur Abwrackprämie sowie das Antragsformular abrufbar sind, innerhalb der letzten zwei Wochen zur meist besuchtesten deutschen Webadresse geworden.

Keine Panik nötig - "Ausverkauf der Umweltprämie" zeitnah nicht zu erwarten

Vielfach wird der schnelle Ausverkauf des auf 600.000 gewährte
Unweltprämien begrenzten Sonderbudgets befürchtet oder auch von Kfz-Händlern zur Motivation eines schnellen Neuwagenkaufs behauptet.
In der Tat sind aber innerhalb der ersten zweieinhalb Wochen, d.h. in der Zeit vom 27.01. bis 13.02.2009, genau 44.183 Anträge beim BAFA eingegangen, d.h. durchschnittlich weniger als 2.500 täglich.
Eine Hochrechnung dieser Zahl würde dazu führen, dass frühestens Ende September diesen Jahres der Prämientopf leer ist.
Zudem sollen - laut Information des ADAC - nur 1,9 Millionen PKWs über 9 Jahre in Deutschland zugelassen sein; wobei sicherlich einige nicht die Voraussetzungen an die einjährige Haltereigenschaft erfüllen und viele der Besitzer dieser PKWs gar nicht das Geld für einen Neu- oder Jahreswagen besitzen bzw. sich auch keine Finanzierung leisten können.
Und selbst wenn die Zahl der Anträge sich deutlich erhöht, hat derjenige, der unverzüglich auch einen Neuwagen kauft und - was wichtig ist - zulässt, gute Chancen noch mindestens 6 Monate den Zuschuss zu erhalten, da nicht das Antragsdatum maßgeblich ist, sondern der Zeitpunkt, in dem die Voraussetzungen erfüllt sind, und das ist erst mit Zulassung eines Neu- oder Jahreswagens.
Alle ernstzunehmenden Branchenexperten erwarten tatsächlich nur halb so viele Anträge, wie möglich. Torschlusspanik ist nicht angesagt - auch wenn Händler das gerne mal suggerieren.

Trotz Verschrottungsprämie keine Engpässe bei billigen Gebrauchtwagen

Trotz Verschrottung hunderttausender älterer Autos wegen der Abwrackprämie sollen die Befürchtungen, es könnte Engpässe auf dem Gebrauchtwagenmarkt bei Billigautos geben, unbegründet sein, wie der Zentralverband des Deutschen Kraftfahrzeuggewerbes aktuell mitteilt.
Durch das knappere Angebot an alten Autos sei auch kein Preisanstieg bei den Gebrauchtwagen zu erwarten, äußerte der Geschäftsführer des Thüringer Verbandes des Kraftfahrzeuggewerbes, Dietmar Hoffmann, in Gera. "Es gibt einfach zu viele alte Autos in Deutschland."
In den vergangenen Jahren soll das Durchschnittsalter der in Deutschland zugelassenen Autos kontinuierlich auf inzwischen rund acht Jahre gestiegen sein. Von den zuletzt etwa 6,1 Millionen im Jahr verkauften Gebrauchtwagen waren etwa eine Million älter als neun Jahre.

Volle Schrottplätze dank Umweltprämie

Wegen Abwrackprämie und sinkendem Stahlpreis kein Erlös für Schrottfahrzeug

Tatsächlich hat die Unweltprämie dazu geführt, dass sich auf den Höfen der Schrotthändler die Rostlauben drängen. Während früher viele Kunden für ihr altes Fahrzeug dort im Schnitt noch 150 Euro erhielten, ist jetzt nicht mehr als ein warmer Händedruck des Verschrotters zu erwarten.
Grund hierfür ist aber nicht nur die Unweltprämie, sondern auch der durch die Wirtschaftskrise ausgelöste geringe Stahlpreis. Autoverschrotter erhalten nur noch ein Drittel für den Stahlschrott.
Auch der Recycling-Verband BDSV räumt ein, dass seine Schrotthändler den Kunden wegen der Abwrackprämie weniger zahlen. Er erwartet im laufenden Jahr 50 % mehr verschrottete Autos als 2008.

Automobilhersteller werben für PKW-Kauf mit zusätzlichen Rabatten

Wie den aktuellen Werbungen der Automobilhersteller und -händler in Zeitungen und im Fernsehen sowie in Sonderwerbemitteln ersichtlich, will die Autobranche die Umweltprämie nutzen, um den zuletzt sehr schleppenden Neuwagenverkauf anzukurbeln.
Mit zusätzlichen Rabatten und Vergünstigungen, wie z.B. "Sonderprämie", "Volkswagen Umweltprämie Plus", "Null-Finanzierung", soll die durch die Unweltprämie ausgelöste Autokauf-Welle auch über die hiervon betroffenen Alt-PKW-Besitzer hinaus zu einer erhöhten Kaufinteresse und damit auch Umsatz von Neu- und Jahreswägen führen.
Ob dies auch tatsächlich auf breiter Basis dazu führt, dass die immense Masse der auf Halde stehenden Neufahrzeuge verringert oder gar die aktuell reduzierte Produktion erhöht wird, bleibt abzuwarten, doch erste Anzeichen für eine positive Entwicklung sind vorhanden, so anscheinend bei Opel.

Ende der Kurzarbeit im Opel-Werk in Eisenach bringt Hoffnung

Erste Erfolge der Prämie: Opel beendet in einem Werk ab März die Kurzarbeit

Tatsächlich scheint sich die Umweltprämie auch unmittelbar auf die verstärkte Neuproduktion kleiner und billiger Fahrzeuge auszuwirken. Wie aktuell mitgeteilt wurde, wird Opel in den Werken in Eisenach die Kurzarbeit ab März 2009 beenden, um aufgrund der erhöhten Nachfrage nach kleineren Neufahrzeuge die Produktion zu erhöhen.
Auch in Bochum soll bei der Getriebefertigung die Kurzarbeit für 570 Mitarbeiter reduziert werden.
Im Januar seien die Auftragseingänge von Privatkunden bei Opel um die Hälfte gestiegen, die Nachfrage nach dem Typ "Agila" habe sich sogar verdoppelt, die Bestellungen für den in Eisenach produzierten Kleinwagen "Corsa" hätten um 70 % zulegt, die für den "Astra" um 30 %.
Auch wenn ein tief greifender Unschwung noch nicht ersichtlich ist, zeigen sich Hoffnungsschimmer am Horizont.
Der Produktionsstopp Anfang Februar im Opel Werk in Eisenach, wo 1.700 Beschäftigte tätig sind, ist vorerst beendet; am letzten Montag sind die Montagebänder - auch wenn die für Ende Februar eingeplante einwöchige Kurzarbeit auch aus logistischen Gründen noch beibehalten bleibt - wieder angelaufen. Personalundwissen.de

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