Vorausgeschickt sei das: Ein Verein wie Greenpeace, der sich gern mit spektakulären Aktionen und deftiger Sprache in Szene setzt, hat solche Marketinginstrumente vermutlich nötig.
Sei’s drum! Werbung geht oft seltsame Wege. – Die angezettelte Klimadebatte verschafft auch Greenpeace immer wieder willkommene neue Gelegenheiten, sich ins Licht zu rücken. Beim Wickel hat der Verein derzeit die Dienstwagenbesteuerung, die – so der Vorwurf – keine finanziellen Anreize biete, auf sparsame Fahrzeuge umzusteigen.
Was Greenpeace umtreibt, lässt sich knapp formulieren: Unternehmen können Anschaffungs- und Betriebskosten ihrer Fahrzeuge vollständig von der Steuer absetzen; unabhängig vom Verbrauch. Die aus dieser Praxis abgeleitete Forderung lautet: Auch die Dienstwagenbesteuerung müsse sich „ökologischen Lenkungsimpulsen unterwerfen“.
Schön gesagt. Formuliert hat das ja aber auch nicht Greenpeace, sondern das Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS), das im Auftrag des Vereins ein „Reformkonzept“ erarbeitete. – Greenpeace selbst holt sprachliche Leidenschaft bekanntermaßen immer wieder rasch ein – diesmal bei der Vorstellung des „Reformkonzepts der Dienstwagenbesteuerung“. Geradezu wollüstig wurden am alten Berliner Postbahnhof drei automobile „Klimaschweine“ vor Pressevertretern an den Pranger gestellt: ein Mercedes S 500, ein Audi A6 Avant und – als „absoluter Spitzenreiter“ (Greenpeace) – ein BMW 750i.
Greenpeace regt eine Regel auf, die für Firmenwagen gilt, nämlich dass „die Anschaffungskosten über sechs Jahre, die Spritkosten der Fahrzeuge jährlich in voller Höhe von der Steuer abgesetzt werden“. Wo will Greenpeace hin? – Ein „Rechenbeispiel“ zeigt die Richtung. Zitat: „Würde Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) heute die volle Absetzbarkeit der Spritkosten auf einen CO2-Ausstoß von 140 Gramm pro Kilometer beschränken, könnte er sich über Mehreinnahmen in Höhe von über 3,5 Milliarden Euro freuen. Doch so holt sich der Staat das fehlende Geld über die Finanzämter.“
Fehlen darf natürlich auch kein Wink, der Steuerzahler gegen Dienstwagenfahrer aufbringen möge: „Jeder Steuerzahler subventioniert jährlich mit mehr als 132 Euro die Spritfresser der Firmen.“ Ruck, zuck ausgefertigte Hochrechnungen versetzen immer wieder in Erstaunen. – Selbstverständlich achtet ein Verein wie Greenpeace darauf, dass trotz steuerlicher Hingabe die Klimadebatte nicht etwa zu kurz kommt. Im Kommentar zu einem bei der Veranstaltung gedrehten Video – die Dienstwagen von Firmenchefs aufs Korn nehmend – kommt, was kommen musste: „So kann jeder ganz legal steuerlich gefördert das Klima in aller Ruhe zerstören.“ Weil das ja das primäre Ziel eines jeden Dienstwagennutzers ist. Greenpeace lässt sich nichts vormachen!
Am Anfang Zitiertes sei noch einmal wiederholt. Weil so schön gesagt wurde, was die Steuerexperten vom Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft mit ihrem für Greenpeace entwickelten Konzept realisieren wollen: Auch die Dienstwagenbesteuerung müsse sich „ökologischen Lenkungsimpulsen unterwerfen“. Die zwangsweise Unterwerfung unter Impulse soll dazu führen, dass Kauf und Nutzung sparsamer Pkws belohnt, die Kosten „klimaschädlicher Pkws“ jedoch den Verursachern angelastet werden.
Wie solche Kosten errechnet werden sollen, wenn noch nicht einmal bewiesen ist, dass der CO2-Ausstoß von Verbrennungsmotoren das Klima tatsächlich verändert, bleibt das Geheimnis derer, die im Panikorchester sitzen.Dass der programmatische Schlussappell Stil wahrt und nicht noch einmal Klimaschweine vor sich hertreibt, hat nichts weiter zu bedeuten. Die nächste Treibjagd wird kaum lange auf sich warten lassen. Das Wörtchen „Klima“ ersetzt das Halali. (ar/PS/WR v.W.Riedel entnommen aus der aktuellen Ausgabe des Branchen-Informationsdienstes PS-Automobilreport)